Fr 30 Apr 2010
Solaranlagen
Geschrieben von Sonnenreiter unter Energie
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Was heute undenkbar scheint, vor einigen Jahren war es noch Realität – noch in den 80ern wurden Solaranlagen auf dem eigenen Dach von Stadtverwaltungen und Ämtern gern unter Hinweis darauf verboten, dass sie nicht in den dörflichen Charakter einer Ansiedlung passen würden. Dies, wohlgemerkt, nicht etwa in Meersburg oder Rothenburg ob der Tauber, wo es gilt, den schützenswerten Charakter geschlossener, wohlerhaltener Denkmalformationen zu erhalten, die unbeschadet von Kriegen und – fast genauso schlimm oder schlimmer – den Bauwüten der jeweiligen Gegenwart unbeschädigt an kommende Generationen zu überliefern sind, sondern in zufällig zusammengestreuten Weilern, die jeder Bausünde, jeder hastig zusammengeworfenen Wohnanlage seit den 50ern Tür und Tor geöffnet hatten. Solaranlagen galte als hässlich, weil sie politisch verpöhnt waren, und sie waren politisch verpöhnt, weil die durchgängige Linie der Bundesrepublik – wurde sie nun links oder rechts der Mitte regiert – stets die der Förderung der Großindustrie, der staatlichen oder später halbstaatlich-privatisierten, übermächtigen Energieversorgungsunternehmen, der Kohleindustrie (heute das Imperium der RAG), der Atomkraftlobby war. Eine dezentrale Energieversorgung von unabhängigen Bürgern, die sich mit dem Windrad im eigenen Garten und dem Solarkraftwerk auf dem eigenen Dach unabhängig mit Wärme und Strom versorgten, ja, sogar der Gesellschaft noch etwas zurückgeben konnten an Strom und damit die Atomkraft und andere Energiesünden zunehmend überflüssig machten, war damals noch undenkbar.
Heute ist das zum Glück anders.
Im Jahr 1990 wurde das Stromeinspeisegesetz verabschiedet, Ergebnis einer interfraktionellen Zusammenarbeit der damalig regierenden CDU unter Helmut Kohl und den Grünen in der Opposition – und die Energiewende war, auf leisen Sohlen, heimlich, fast unmerklich, plötzlich da. Mit einem Mal konnte jeder Bürger sein Windrad drehen lassen und seine Photovoltaikanlage installieren – und daran sogar noch verdienen: Jedes Kilowatt Strom, das er nicht selbst verbrauchte, konnte ins Stromnetz eingespeist werden und wurde nach Marktpreisen vergütet.
Im Jahr 2000 folgte, unter SPD-Grünen-Regierung, das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Mit dem Ziel, die Errichtung dezentraler, unabhängiger Klein- und Kleinstkraftwerke nicht nur zuzulassen, sondern sogar zu fördern, wurde die Einspeisevergütung für Solaranlagen, Windkraftwerke, Biogasanlagen usw. usf. nun nicht auf, sondern über Marktpreis festgesetzt. Nach jahrzehntelanger blanker Subvention der Atomkraft (Gesamtsumme rund 350 Milliarden Euro) und der Kohle (Stichwort Kohlepfennig, der zu dem sagenhaften Reichtum der RAG geführt hat – allein über 100.000 Immobilien besitzt diese bundesweit!) wurde jetzt die erneuerbare Energie gefördert. Wer sich eine Solaranlage – bleiben wir bei dieser Form der erneuerbaren Energie als Beispiel – auf das eigene Dach setzte, wurde belohnt, indem die Einspeisevergütung diese Investititon amortisierte. Zugleich wurde die Vergütung degressiv gestaltet, in anderen Worten: Der Einstiegssatz wurde von Jahr zu Jahr etwas geringer, mit dem Ziel, die Hersteller und Installateure von Photovoltaikanlagen und Co. anzuregen, ihre Produkte kostengünstiger und konkurrenzfähiger im internationalen Vergleich zu produzieren. Für die Betreiber dieser Klein- und Kleinstkraftwerke andererseits war Rechtssicherheit geschaffen – hatten sie einmal einen bestimmten Satz an Förderung zu erwarten, blieb ihnen dieser auch über zwanzig Jahre hin garantiert.
Diese Saat ist aufgegangen. Die KfW legte unterstützende Finanzierungsprodukte auf, deutsche Unternehmen wie Schott und andere produzierten technologisch weltweit führende Solaranlagen, und der Druck auf deutsche Energieunternehmen, ausreichend Strom, und sei es auch zu unerträglichen Umweltbedingungen, heranzuschaffen, ließ nach. Eine Win-Win-Situation für alle!
Wenn die derzeitige Kanzlerin nicht von Hause aus in der DDR gelernte Atomphysikerin wäre. Schon in ihrer Zeit als Umweltministerin, nein, sagen wir es deutlicher: als Ministerin für Umwelt, Reaktorsicherheit und Naturschutz (!) fiel Frau Dr. Merkel nicht gerade als Gegnerin der Atomkraft auf – und das war in den Jahren, die auf Tschernobyl folgten; selbst der in Umweltfragen konservativste Steinbrocken hätte damals aufmerken müssen.
Und so haben wir heute die traurige Situation, dass Deutschland mit dem Erneuerbare Energien-Gesetz eine Neuerung geschaffen hatte, die in über 40 Ländern weltweit kopiert worden ist, bis hin zu dem gigantischen Programm der USA, das gerade erst wieder durch Präsident Obama auf rund 300 Millionen Dollar aufgestockt wurde (pro Jahr, versteht sich) – und in Deutschland selbst wird sie wieder demontiert.
Die Fördersätze sinken, das Augenmerk richtet sich wieder auf die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraft (als hätte es Tschernobyl nie gegeben), und wer heute noch möchte, dass seine Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach sich amortisiert, muss sich schon sehr gut beraten lassen.
Die gute Nachricht ist: Das ist möglich. Neben den sinkenden Bundesförderungen existieren immer noch Landesförderungsprogramme, Banken haben sich auf den Finanzierungsbedarf für Erneuerbare Energien eingestellt – und wenn Ihre Hausbank es nicht tut, dann tut es die Umweltbank -, und zum Glück sind die Produktionskosten und Marktpreise für Solarzellen, Photovoltaikmodule und -anlagen so weit gesunken, dass auch eine gesunkene Förderung durch gesunkene Einspeisevergütungen noch finanziell interessant ist.
Wenn aufgrund der leicht gesunkenen Rendite auch nicht mehr der Hype der frühen Jahre des EEG zu erwarten ist – die Erfolgsgeschichte der Solaranlage geht weiter; nun allerdings – leider -, bis zum nächsten Regierungswechsel, angeführt durch China und die USA.