Können Games beim Lernen helfen? Können sie unsere Kreativität und Reaktionsgeschwindigkeit verbessern? Oder stumpfen sie den Geist ab und machen uns zu tumben, gefühlsunfähigen Klötzen? Zwei Extreme, die sich in der Diskussion um den Einfluss von Computerspielen auf soziale und intellektuelle Fähigkeiten seit Aufkommen der PC-Games scheinbar unversöhnlich gegenüberstehen.

Pro & Contra – PC-Spiele

PC-Spiele gehören schon seit Jahren in die moderne Kultur. Manche Spiele haben einen ähnlichen Kultstatus wie Fußballvereine oder-stadien und erfreuen sich einer wachsenden Fangemeinschaft. Spiele dienen nicht mehr nur der Unterhaltung, sondern auch der Identifikation mit einer realen sozialen Gemeinschaft und können, dank Internet, weltweit gemeinsam gespielt werden. Die Zeiten des vereinsamten Gamers sind längst vorbei. Auch die Spieltypen haben sich entwickelt, sind flexibler und anspruchsvoller, nicht nur in der Grafik, auch in der Story und den Aufgaben, die der Spieler zu bewältigen hat. Strategie-, Geschicklichkeits-, Abenteuer- und Rennspielesind nur eine kleine Auswahl aus einer großen Variation von Spielarten, aus denen sich der Gamer seine Perlen herauspicken kann. Doch auch wenn sich der Markt stark verändert hat, bleibt die Kritik unverändert: „Machen Computerspiele dumm?“ „Stumpfen Computerspiele ab?“. Viele Spieler wollen solche Kommentare nicht mehr hören, und auch einige Forscher erheben Einspruch. Ihr Argument: PC-Games haben eine denkfördernde Wirkung und steigern daher die Intelligenz.

Ist da was dran? Die Realität scheint dem zu widersprechen, stieg die Anzahl der Amokläufe in den letzten Jahren doch immens. Und fast immer kommt im Laufe der Ermittlungen eine Affinität zu sogenannten Shooterspielen ans Licht. Der Schluss liegt nahe, dass die Killergames zum Verschieben der Hemmschwelle und zum Abstumpfen gegenüber Gewalt beigetragen haben. Dennoch wurde ein solcher Zusammenhang niemals wissenschaftlich bestätigt, trotz zahlreicher ärztlicher und psychologischer Untersuchungen. Scheinbar spielen zu viele Variablen mit, als dass die Ursache für derart radikale Gewaltausbrüche wie Amokläufe eindeutig dem Konsum von gewaltverherrlichenden Spielen zugeschrieben werden könnte. Auch Ego-Shooter können daher nicht pauschal als „Amokläuferschulung“ betrachtet werden.

Jüngste Untersuchungen scheinen sogar das Gegenteil zu belegen: Computerspiele können Sozialverhalten, Denk- und Reaktionsvermögen verbessern und so positiven Einfluss auf die Gesundheit des Spielers nehmen. An einer Förderschule in Bayern werden Versuche mit lern- und denkfördernden Computerspielen gemacht. Die Ergebnisse sind beeindruckend, bei den beteiligten Schülern konnte eine gesteigerte Denkleistung festgestellt werden, die in direktem Zusammenhang mit dem Computerspiel steht.

Nicht alles über einen Kamm scheren

Auch wenn viele glücklich wären, die Diskussion endlich mit einem eindeutigen Ergebnis beenden zu können, es ist nicht möglich. Vermutlich wird es niemals möglich sein, da sich die Spieler unterscheiden, was für den Einen zu viel des Guten ist, kann für den anderen absolut akzeptabel sein. Entscheidend sind die Faktoren:

  • Spielercharakter (Persönlichkeit, soziales Umfeld, …)
  • Spielart (Abenteuer, Online, Shooter)
  • Spieldauer

Und wie auch der Arzt sagt: „Die Dosis macht das Gift.“ Lernspiele im entsprechenden Gesellschaftlichen Raum können sicher einen positiven Effekt haben, Shooter im gleichen Umfeld evtl. auch. Erst das stundelange Verschwinden im „Gamekeller“ zum „zocken“ könnte u.U. weniger positive Auswirkungen nach sich ziehen.

Was mag die Zukunft bringen?

Und die Zeit schreitet weiter vorwärts, die Spieleindustrie wird sich von Vorurteilen kaum aufhalten lassen und weiterhin neue Trends ins Rollen bringen. Nachdem es ihr gelungen ist, denn eigenbrötlerischen, egozentrische introvertierten Gamer durch den sozial engagierten, vernetzten Onlinegamer und denn faulen, bewegungsunfähigen, pizzaessenden durch den springenden und tanzenden Sportgamer zu ersetzen, kann man gespannt sein, mit was die Spieleschmieden als nächstes aufwarten. Eines ist jedoch gewiss, jeder weitere Trend wird die Computerspiele weiter in der Gesellschaft verwurzeln und deren Akzeptanz ihnen gegenüber stärken. Die Zeit spielt ebenfalls für sie, sind die jungen Eltern von heute doch schon die ersten Gamer von gestern. Und wer soll den Siegeszug der PC-Spiele noch aufhalten, wenn die Eltern ihren Kindern die Spiele praktisch mit der Muttermilch nahebringen? Muss dieser Siegeszug überhaupt aufgehalten werden?